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2. September 2010

Der HERR ist bei mir wie ein starker Held. Jeremia 20,11

Solche Sätze sagt man sich vor, wenn man ganz tief drin sitzt in ... Na, Sie wissen schon, wo drin. Nicht zum ersten Mal muss Jeremia erfahren, dass das Prophetenamt eine ziemlich gefährliche Angelegenheit ist. Gottes Reich des Friedens und der Gerechtigkeit zu verkündigen führt in Konflikt mit den Machthabern der Reiche dieser Welt: «Sooft ich rede, muss ich schreien; Frevel und Gewalt muss ich rufen» (Vers 8). Am besten wäre es, Gott zu vergessen und mit den Wölfen zu heulen. Aber das geht auch nicht. Im Herzen bleibt der Stachel «wie ein brennendes Feuer». Von dem Unrecht, dessen Zeuge Jeremia geworden ist, muss er reden.

Wenn ich diesen Text nicht als eine Fabel aus ferner Vergangenheit nehme, dann bleibt mir die Luft weg: «Schrecken ist um und um» – diese Erfahrung ist nicht Geschichte, sie stellt sich heute nur anders dar, ist einprogrammiert in ein ganzes Unrechtssystem, wo man schwarz weiss nennt und umgekehrt. Wenn eine Ölfirma das Risiko eingehen kann, ein Weltmeer zu verschmutzen, nur um den Profit zu steigern; wenn ein Spitzenmanager 71 Millionen Schweizer Franken Bonus einziehen kann, und die Politikerinnen und Politiker sind sich immer noch nicht einig, ob es eine Begrenzung geben soll; wenn neue Steuern Lebensmittel und Gesundheitsausgaben teurer machen, aber Autopreise senken sollen, dann muss auch ich «Gewalt und Frevel» schreien. Immer mehr denke ich, dass es unmöglich ist, Teil dieses Unrechtssystems zu sein und gleichzeitig den Gott des Friedens und der Gerechtigkeit anzubeten. In diesem Zwiespalt lebe ich.

«Komme, was mag, Gott ist mächtig!» (Martin Luther King)

Von: Reinhild Traitler

 

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